Impressionen aus der Tagung

Foto Kayser
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Vertreter auf der Tagung

Steve Kayser,
Directeur
Ministère d'Etat
Centre de documentation et de Recherche sur l'Enrôlement force

 
 

Mémorial de la Déportation/Dokumentationszentrum, Gare Hollerich, Luxemburg-Hollerich

Blick auf das Gebäude
Blick auf das Gebäude
Am 29. Mai 1996 wurde im ehemaligen Bahnhofsgebäude in Luxemburg-Hollerich die Gedenkstätte der Deportation eröffnet. Sie erinnert an das Schicksal der Luxemburger, die während des Zweiten Weltkrieges von den deutschen Besatzern zum Dienst in der Wehrmacht zwangsverpflichtet oder umgesiedelt wurden, und an die Verfolgung und Ermordung der luxemburgischen Juden.

 

Zwei Jahre nachdem Hitlers Truppen am 10. Mai 1940 das neutrale und unbewaffnete Luxemburg überfallen hatten, verkündete Gauleiter Gustav Simon am 30. August 1942 die Wehrpflicht für die Luxemburger der Jahrgänge 1920 bis 1924. Später wurde sie auf die Jahrgänge bis 1927 ausgedehnt. Die Luxemburger reagierten auf diese Ankündigung am 31. August mit landesweiten Streikaktionen. („Generalstreik“) Die deutschen Besatzer schlugen die Unruhen mit aller Gewalt nieder. Es kam zu zahlreichen Verhaftungen und 21 Hinrichtungen.

 

Etwa 10.211  junge Luxemburger wurden in den folgenden Jahren in den Reichsarbeitsdienst (RAD) und die Wehrmacht gezwungen. 2.848 von ihnen kehrten nicht wieder zurück. 3.510 entzogen sich dem Kriegsdienst sei es als Refraktäre oder als Deserteure. Vom Reichsarbeitsdienst und vom Kriegshilfsdienst (KHD) waren auch 3.614 Mädchen betroffen, von welchen 58 ums Leben kamen.

 

Eine weitere deutsche Zwangsmaßnahme war die systematische „Umsiedlung“ der Familien jener Männer welche an der Streikaufruhr beteiligt waren, sowie aller als „politisch unzuverlässig“ eingestuften Luxemburger und Luxemburgerinnen. Ab September 1942 wurden ungefähr 4.200 Männer, Frauen und Kinder in den Osten des Reichsgebietes abgesiedelt. 73 Menschen kamen unter diesen Umständen ums Leben.

 

Von den in Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppten 1.380 Luxemburger Juden kehrten nach Kriegsende nur 79 zurück. Der erste Deportationszug verließ unweit des Hollericher Bahnsteigs den Güterbahnhof Luxemburg am 16. Oktober 1941 in Richtung Lodz. Im ehemaligen Kloster Fünfbrunnen richtete man ein Sammellager für ältere und kranke Juden ein. Von dort aus fuhren die Deportationszüge in die Lager. Von den etwa 4.000 Juden, die am 10. Mai 1940 in Luxemburg ansässig waren, überlebten 1.632 den Krieg. 36,5 % kamen ums Leben. Das Schicksal von 878 Juden bleibt weiterhin ungewiss.

 

Die Gedenkstätte der Deportation wurde dort eingerichtet, wo der Leidensweg vieler Opfer begann: am Bahnhof Luxemburg-Hollerich. Eine Ausstellung erläutert anhand von Fotos, Dokumenten und Gegenständen die Schicksale der verschiedenen Deportiertengruppen, sowie die entsprechenden historischen Hintergründe. Heute ist der Bahnhof Sitz des dem Staatsministerium unterstellten Dokumentations- und Forschungszentrums über die Zwangsrekrutierung (CDREF) und des Komitees zur Erinnerung an die Zwangsrekrutierung (CDSEF).  Zwei Gedenktafeln am Bahnhofsgebäude und am Bahnsteig sowie ein Denkmal rechts neben dem Gebäude erinnern an die Opfer der Deportationen.